Finanzklarheit nach Norm

Unruhige Zeiten brauchen klare Entscheidungen: Die DIN 77235 schafft Struktur für Finanz- und Risiko-Checks – damit Gastgeber den Kopf frei haben für Gäste, Qualität und Service.

– Dr. Klaus Möller

Veröffentlicht von: 24 Stunden Gastlichkeit – Das Fachmagazin für Gastronomiekonzepte, Januar 2026

Die wirtschaftliche Lage in der Gastronomie ist angespannt. Laut Statista musste die Branche zwischen 2019 und 2024 rund 15 % Umsatzrückgang hinnehmen. Gleichzeitig stiegen die Arbeitskosten um 34 %, die Energiekosten um knapp 30 % und die Nahrungsmittelpreise um rund 25 %. In der Folge haben viele Betriebe ihre Preise im gleichen Zeitraum um 23 % erhöhen müssen.

In dieser unruhigen Zeit wird eines existenziell: echte Klarheit über Finanzen und Risiken. Nicht aus dem Bauch heraus, sondern so strukturiert, dass Entscheidungen wieder planbar werden – und der Kopf frei bleibt für das, worum es eigentlich geht: Gäste, Qualität, Service.

Standard schafft Vergleichbarkeit

Nur: Eine Bestandsaufnahme fällt je nach Ansprechpartner sehr unterschiedlich aus. Banken, Versicherer, Makler, Vertriebe – alle können helfen, aber sie arbeiten mit unterschiedlichen Brillen und teils auch mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Das Ergebnis: Zwei Analysen, zwei Empfehlungen, drei Meinungen. Und am Ende bleibt die Frage: Woran soll ich mich als Gastgeber wirklich orientieren?

Die Antwort ist ein verbindlicher Rahmen, der die Analyse nachvollziehbar macht – unabhängig davon, wer sie erstellt. Genau hier setzt die DIN-Norm 77235 „Risiko- und Finanzanalyse für Selbstständige, Freiberufler und KMUs“ an. Seit 2025 können auch kleinereUnternehmen – und damit ganz besonders Gastronomiebetriebe – diesen Standard nutzen.

Was die Norm bietet

Die DIN 77235 ist ein Regelwerk für eine strukturierte, standardisierteVorgehensweise bei der Risiko- und Finanzanalyse im Unternehmenskontext. Sie definiert, wie Analysen durchgeführt werden sollen – nachvollziehbar, vollständig und vergleichbar.

Für Gastgeber heißt das:

  • Risiken werden früher sichtbar (statt erst, wenn es teuer wird).
  • Maßnahmen lassen sich priorisieren (was bringt Stabilität – was kann warten?).
  • Empfehlungen verschiedener Anbieter werden vergleichbar (gleiche Grundlage, weniger Bauchgefühl).

Kurz: Die Norm schützt vor „Flickschusterei“, schafft Transparenz im Gespräch – und gibt Unternehmern eine neutralere Entscheidungsbasis.

Mehrwert für die Gastronomie

Die Norm richtet sich an Freiberufler, Gewerbetreibende, Selbstständige und KMUs – also genau an die Unternehmensgrößen, die in der Gastrobranche dominieren. Für viele Betriebe kann eine standardisierte Finanz- und Risikoanalyse der Unterschied sein zwischen „irgendwie durchkommen“ und planbar steuern: mit klaren Prioritäten, passenden Absicherungen und belastbaren Zahlen.

Im ausführlichen Interview erklärt Experte Michael Jama, wie die Analyse nach DIN 77235 konkret abläuft, welche fünf Themenfelder geprüft werden – und warum gerade Haftung und Liquiditätsmanagement in der Gastronomie kritische Stellschrauben sind.

Finanz-Check nach DIN 77235 – Orientierung für Gastgeber

Wie belastbar ist die Finanzstruktur Ihres Betriebs – und wo lauern Risiken, die im Alltag leicht untergehen?

In unserer neuen Strecke beleuchten wir die Finanz-DIN-Norm 77235: verständlich, praxisnah und mit Blick auf Ihren gastronomischen Alltag. Dabei zeigen wir in den kommenden Ausgaben:

  • welche Vorteile die Norm in der Beratung und Entscheidungsfindung bietet,
  • wie eine strukturierte Finanz und Risikoanalyse aufgebaut ist,
  • welche Stellschrauben Gastgeber konkret für mehr Stabilität nutzen können.

Fachlich begleitet wird die Strecke vom Defino Institut, u. a. durch Dr. Klaus Möller.

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